Wundmilieu
Das Wundmilieu bezeichnet die Gesamtheit der physikalisch-chemischen und mikrobiologischen Bedingungen an einer Wundoberfläche. Faktoren wie pH-Wert, Feuchtigkeit, mikrobielle Last, Temperatur und Sauerstoffversorgung bestimmen es maßgeblich. Ihr Zusammenspiel bestimmt, ob eine Wunde einen regulären Heilungsverlauf nimmt oder stagniert.
Faktoren des Wundmilieus.
pH-Wert. Intakte Haut hat einen pH-Wert von etwa 4,5 bis 5,5, also einen leicht sauren Bereich. An offenen Wunden verschiebt sich dieser Wert häufig in den basischen Bereich (pH über 7,0). Ein erhöhter pH-Wert begünstigt das Wachstum pathogener Mikroorganismen und beeinträchtigt die körpereigene Wundreinigung. Eine Annäherung an den physiologischen Säuregrad gilt in der Fachliteratur als günstig für einen ungestörten Heilungsverlauf.
Mikrobielle Last. Jede offene Wunde ist in unterschiedlichem Maß mit Mikroorganismen besiedelt. Erst wenn die Keimzahl ein kritisches Niveau übersteigt oder sich Biofilmstrukturen ausbilden, verlangsamt sich der Heilungsverlauf messbar. Ziel der modernen Wundversorgung ist die Reduktion der mikrobiellen Oberflächenlast auf ein Niveau, das den Heilungsprozess nicht beeinträchtigt.
Feuchtigkeit. Ein ausreichend feuchtes Wundmilieu hält das Gewebe geschmeidig, erleichtert den Abtransport von Wundexsudat und hält das Wundbett für die Gewebeneubildung offen. Austrocknung behindert die Gewebeneubildung; überschüssiges Exsudat beeinträchtigt das Wundrandgewebe. Das Prinzip der feuchten Wundbehandlung adressiert diese Dimension gezielt.
Temperatur. Wundtemperaturen nahe 37 °C schaffen günstige Bedingungen für die Zellaktivität im Wundbett.
Sauerstoffversorgung. Für die Wundheilung ist insbesondere die lokale Gewebeoxygenierung relevant, da Sauerstoff u. a. für Immunabwehr, Kollagensynthese, Zellproliferation und Angiogenese benötigt wird.
pH-Wert und mikrobielle Last als klinische Leitgrößen.

pH-Wert und mikrobielle Last sind in der klinischen Wundbeurteilung eigenständige Bewertungsparameter. Sie bedingen sich gegenseitig: Ein erhöhter pH-Wert schafft günstigere Bedingungen für pathogene Keime; diese Keime verschieben das Säure-Basen-Gleichgewicht der Wunde durch ihre Abbauprodukte weiter. Zeitgemäße Wundversorgungskonzepte adressieren beide Faktoren gemeinsam.
Therapeutische Ansätze zur Beeinflussung des Wundmilieus.

Maßnahmen zur Beeinflussung des Wundmilieus setzen je nach Befund an einem oder mehreren der genannten Faktoren an:
- Mechanische Reinigung zur Reduktion der Keimzahl auf der Wundoberfläche.
- Weitere physikalische Verfahren zur Reduktion der mikrobiellen Oberflächenlast.
- Feuchtigkeitsmanagement durch geeignete Wundauflagen (z.B. Hydrokolloide, Schaumstoffverbände).
Klinische Einordnung von Kaltplasma-Aerosol.
Das Wundmilieu ist kein statischer Zustand. Es verändert sich im Verlauf der Wundheilung und reagiert auf therapeutische Maßnahmen. Die regelmäßige Beurteilung von pH-Wert, Exsudatmenge, Keimstatus und Wundtemperatur gehört zur Grundlage einer evidenzbasierten Wundversorgung.
Als ergänzendes Verfahren zur Standardversorgung kann Kaltplasma-Aerosols (Cold Atmospheric Plasma-Aerosol, CAP-A) zur Reduktion der mikrobiellen Oberflächenlast eingesetzt werden. CAP-A kann zur Normalisierung des Wund-pH-Werts beitragen. PLASMO®HEAL PRO ist ein als Medizinprodukt der Klasse IIa nach EU-MDR zertifiziertes Gerät, das auf dieser Grundlage ergänzend zur Standardversorgung eingesetzt werden kann und ein heilungsförderndes Wund- und Hautmilieu unterstützt.

