PLASMO®VET und Kaltplasma-Aerosol. Ein Fallbericht zur Dermatophytose beim Pferd eingeordnet.
Pilzinfektionen der Haut gehören zu den häufigsten infektiösen Hauterkrankungen bei Pferden und anderen Tieren. Sie sind ansteckend, oft langwierig in der Behandlung und können erhebliche wirtschaftliche sowie hygienische Folgen nach sich ziehen. Diagnose und Behandlung liegen in tierärztlicher Hand und richten sich nach Erreger, Ausdehnung und Tierart.
PLASMO®VET ist ein Gerät, das Kaltplasma-Aerosol erzeugt. Es richtet sich an Tierkliniken, Tierärztinnen und Tierärzte sowie Therapeutinnen und Therapeuten im veterinärmedizinischen Bereich. 2025 wurde ein Fallbericht veröffentlicht, der die Anwendung von Kaltplasma-Aerosol bei einem einzelnen Pferd mit Dermatophytose beschreibt. Dieser Artikel erklärt, was Dermatophytosen und Kaltplasma-Aerosol sind, und ordnet den Fallbericht sowie die Laborstudienlage wissenschaftlich ein.
Was sind Dermatophytosen und was ist Kaltplasma-Aerosol?
Dermatophytosen ("Ringworm") sind oberflächliche Pilzinfektionen der Haut, Haare und teilweise der Krallen oder Hufe. Ausgelöst werden sie überwiegend durch Dermatophyten der Gattungen Trichophyton und Microsporum. Die Erkrankung tritt bei zahlreichen Tierarten auf und besitzt eine hohe Bedeutung, da sie auf den Menschen übertragen werden kann (Zoonose). Insbesondere in Pferdebeständen können sich Dermatophytosen regelmäßig ausbreiten.
Typische Symptome sind:
- Kreisrunde haarlose Hautareale
- Schuppenbildung
- Krusten
- Juckreiz
- Entzündliche Hautveränderungen
Kaltplasma ist ein teilweise ionisiertes Gas bei Raumtemperatur. Es enthält unter anderem reaktive Sauerstoffspezies (Reactive Oxygen Species, ROS), elektrische Felder und UV-Anteile in sehr geringer Intensität. PLASMO®VET erzeugt diese physikalischen Komponenten nicht als Plasmajet. Es erzeugt Kaltplasma in einem ersten Schritt und verbindet in einem zweiten Schritt Kaltplasma und Aerosol zu Kaltplasma-Aerosol. Dieses entsteht, wenn die reaktiven Sauerstoffspezies aus dem Plasma ein feines Aerosol konditionieren. Als Aerosol kann es auch unregelmäßig geformte Hautoberflächen benetzen. Technisch unterscheidet sich das Verfahren damit von Plasmajet-Verfahren. PLASMO®VET ist kein Arzneimittel und kein Antimykotikum.
Studienlage: ein Fallbericht und Laboruntersuchungen.
Fallbericht (Einzelbeobachtung): 2025 erschien in Frontiers in Veterinary Science ein Fallbericht über ein einzelnes Pferd mit ausgedehnter, chronischer Dermatophytose, bei dem Kaltplasma-Aerosol mit PLASMO®VET angewendet wurde. Die Autoren dokumentieren den klinischen Verlauf dieses einen Tieres. [1]
Mögliche Nebenwirkungen, Gegenanzeigen und Warnhinweise sind in der Gebrauchsanweisung aufgeführt und vor jeder Anwendung zu beachten.
Wichtig ist die wissenschaftliche Einordnung: Es handelt sich um die Beobachtung an einem einzelnen Tier ohne Kontrollgruppe (Case Report). Ein solcher Fallbericht lässt sich nicht verallgemeinern; Aussagen zu Wirksamkeit oder Verträglichkeit bei anderen Tieren lassen sich daraus nicht ableiten. Labor- und Übersichtsarbeiten zu Kaltplasma untersuchen zudem Effekte auf Pilze, überwiegend in vitro und an anderen Pilzspezies als Dermatophyten. Beschrieben werden u. a. Schädigungen von Zellmembranen und Zellwänden durch reaktive Sauerstoff- und Stickstoffspezies sowie oxidative Veränderungen an Proteinen und Nukleinsäuren, etwa bei Schimmelpilzen und Mykotoxin-bildenden Spezies. [2] [3] Klinische Aussagen lassen sich aus diesen Laborbefunden nicht ableiten.
Einordnung.
Kaltplasma-Aerosol ist ein physikalisches Verfahren, das in der Veterinärmedizin wissenschaftlich untersucht wird. Die derzeitige Datenlage zu Dermatophytosen besteht aus Laboruntersuchungen und einem einzelnen veröffentlichten Fallbericht; belastbare Aussagen erfordern weitere kontrollierte Studien. PLASMO®VET richtet sich an Tierkliniken, Tierärztinnen und Tierärzte sowie Therapeutinnen und Therapeuten. Ob es im Einzelfall angewendet wird, entscheidet die behandelnde Tierärztin oder der behandelnde Tierarzt.
Zweckbestimmung und Anwendung eines konkreten Produkts ergeben sich ausschließlich aus dessen Gebrauchsanweisung. Human- und veterinärmedizinische Therapien sind unabhängig von diesem Artikel in Absprache mit dem verantwortlichen medizinischen Fachpersonal zu treffen. Dieser Artikel stellt keine Heil- oder Therapieaussage dar. Genannte Befunde stammen aus den zitierten Veröffentlichungen und lassen sich nicht auf andere Tiere oder Anwendungssituationen übertragen. Diese Übersichtsseite zur aktuellen Forschung mit Cold Atmospheric Plasma-Aerosol (CAP-A) dient ausschließlich zu Informationszwecken und erläutert unabhängige wissenschaftliche Erkenntnisse.
[1] https://www.frontiersin.org/journals/veterinary-science/articles/10.3389/fvets.2025.1651946/full
Cold atmospheric plasma-aerosol treatment of equine dermatophytosis: a novel therapeutic approach. Frontiers in Veterinary Science.
[2] https://www.frontiersin.org/journals/microbiology/articles/10.3389/fmicb.2024.1502915/full
Application of cold atmospheric plasma for decontamination of toxigenic fungi and mycotoxins – A systematic review. Frontiers in Microbiology.
[3] https://journals.plos.org/plosone/article?id=10.1371/journal.pone.0326940
Cold atmospheric plasma improves antifungal responsiveness of Aspergillus flavus and Fusarium keratoplasticum. PLOS ONE.


